Ein Organ wird immer öfter krank
Bauchspeicheldrüse ist Opfer steigenden Alkoholkonsums

sup.- Sie gehört zu den unbekannteren Organen des menschlichen Körpers, und die meisten bemerken sie nie: die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Leider ändert sich das zunehmend: Die Zahl der chronischen Entzündungen dieses Organs steigt nämlich von Jahr zu Jahr. 100.000 Menschen leben in Deutschland schon mit einer chronischen Pankreatitis, ungefähr so viele wie mit Magersucht oder Blasenkrebs und doppelt so viele wie mit Aids. In England hat eine Studie der Universität Oxford eine Verdopplung der Häufigkeit in den letzten 30 Jahren festgestellt. Deutsche Experten machen vor allem einen ungesunder werdenden Lebensstil dafür verantwortlich, dass die Bauchspeicheldrüse, die unsere Verdauungsenzyme produziert, immer öfter erkrankt. Der Internist und Gastroenterologe Prof. Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg befürchtet, dass in Folge eines gesellschaftlichen Trends zum "social drinking" zudem immer jüngere Menschen erkranken werden.
Während die Leber als Leidtragende übermäßigen Alkoholkonsums weithin bekannt ist, sorgt sich um seine Bauchspeicheldrüse kaum jemand. Alkohol wird aber mit 80 Prozent als Hauptverursacher der chronischen Pankreatitis angesehen. Besonders tückisch: Die Menge des Alkohols, die der Drüse schadet, lässt sich nicht in absoluten Zahlen beziffern, sondern ist bei jedem anders. Das Organ nimmt jahrelang klaglos alles hin, um sich erst dann mit schmerzhaften Symptomen zu melden, wenn bereits 60 bis 90 Prozent seiner Funktionen versagen.
Produziert die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Verdauungsenzyme, kann die Nahrung nicht richtig verwertet werden. Die Betroffenen merken das zunächst an Bauchschmerzen, Durchfällen und Blähungen. Der Arzt kann das Problem mit Hilfe einer Untersuchung des Stuhls diagnostizieren. "Wird eine Pankreasinsuffizienz festgestellt, erhält der Patient Enzym-Arzneimittel, die die fehlenden Enzyme ersetzen", erklärt Prof. Layer. Als Therapiestandard bewährt haben sich hierzu Pankreas-Enzyme in Form von magensaftresistenten Mikropellets (z. B. Kreon), die den körpereigenen Enzymmangel so gut wie nebenwirkungsfrei ausgleichen. Problematisch ist bei der Diagnose der Krankheit, dass auch viele Ärzte bei Bauchschmerzen ihrer Patienten nur selten an die Bauchspeicheldrüse denken. Dabei wird die Ursache der Krankheit bei Patienten, denen die Mediziner einen hohen Alkoholkonsum zutrauen, noch eher diagnostiziert als bei anderen.
Bildzeile: Wer zu tief ins Glas schaut, schädigt nicht nur seine Leber, sondern auch die Bauchspeicheldrüse.